© Foto: TVB Attersee-Attergau/Moritz Ablinger: Am Attersee
Mehrere Menschen genießen den Sonnenuntergang am Attersee - sie unterhalten sich, blicken auf den im Abendlicht glitzernden See hinaus. Im Hintergrund Hügel, Berge und Wald.

Begegnen wir uns. Echt. Am upperfuture day 2021.

 

Lassen wir uns inspirieren. Geben wir.

Und nehmen wir. Impulse, Ideen, Mut.

 

© Foto: Udo Titz: Univ.Prof. Dr. Markus Hengstschläger
Porträt von Universitätsprofessor Doktor Markus Hengstschläger, Genetiker und Bestsellerautor

„Mit Lösungsbegabung die Zukunft gestalten“

Keynote mit Univ.Prof. Dr. Markus Hengstschläger, Genetiker und Bestsellerautor

Ob im Großen oder im Kleinen, ob im Privat- oder im Berufsleben, in unserer so schnelllebigen Zeit hat jede und jeder von uns täglich immer mehr vorhersehbare aber auch immer mehr unvorhersehbare Probleme und Fragestellungen zu lösen. Und auch Klimawandel, Terrorismus, Rassismus, Populismus, die Flüchtlingskrise und letztendlich auch die Covid-19 Pandemie zeigen: die Fähigkeit, Probleme lösen zu können, ist wichtiger denn je. Dafür braucht es das auch genetisch mitbestimmte Potenzial der Lösungsbegabung, bei dessen Entwicklung und Umsetzung der Mensch viel selbst in der Hand hat. Markus Hengstschläger spricht darüber was man unter Lösungsbegabung verstehen kann, wie man sie von klein auf fördern kann und was wir alle tun können um unsere Lösungsbegabung laufend aktiv zu halten. Um das zu erreichen bedarf es neuer Ansätze im Talentmanagement, in der Bildung, im Leadership, in der Politik und in unserer Gesellschaft.

Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger läutete mit seiner Keynote den Galaabend ein. „Wir haben immer mehr vorhersehbare, aber auch immer mehr unvorhersehbare Fragen und Probleme zu lösen“, sagte er. Das Potenzial der Lösungsbegabung sei laut Hengstschläger genetisch mitbestimmt, aber beim Entwickeln und Umsetzen habe der Mensch viel selbst in der Hand. Man könne sie von klein auf fördern und laufend aktiv halten, dazu bedürfe es aber neuer Ansätze im Talentemanagement, in der Bildung, im Leadership, in der Politik und generell in der Gesellschaft. „Die Zukunft gehört jenen Menschen und Betrieben, die empathisch und mit Resilienz im Team nach Neuem streben. Mit anderen Worten: Die Karte Mensch zählt. Gerade im Tourismus!“, sagte Hengstschläger.

Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner bat den prominenten Genetiker und Bestsellerautor anschließend zum Stammtisch Wissenschaft – Wirtschaft und sprach mit ihm über sogenannte Empathieberufe der Zukunft sowie darüber, wie wir junge Menschen dafür begeistern und den Generationen auf Augenhöhe begegnen können. Nicht zuletzt stünden die Menschen im Mittelpunkt der Digitalisierung: Man müsse die Bedürfnisse der Gäste kennen und ihre Reiseerlebnisse mittels digitaler Technologien erleichtern – nützlich und mit Mehrwert sowohl für den Gast als auch die Tourismusbetriebe. Spannend gestaltete sich auch die Frage nach Kooperationen mit branchenübergreifenden Netzwerkpartnern als wesentlichen Teil der Landestourismusstrategie: Allianzen schmieden zwischen Tourismus, Natur, Kulinarik und Kultur.

Hochkarätige Diskussionsrunden

Drei Worksessions widmeten sich den Trends und Herausforderungen der Branche mit Persönlichkeiten aus Kulinarik und Kultur, die ihre Sichtweisen teils emphatisch diskutierten.

© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH/Robert Maybach: Doris Pfleger bei ihren Gästen im Restaurant Forthuber in Munderfing
Doris Pfleger bei ihren Gästen im Restaurant Forthuber in Munderfing

Diskussionsrunde "Wirtshaus- und Stammtischkultur - Wunsch oder Wirklichkeit?"

Herzlicher Austausch beim Taufessen. Tröstende Worte bei der Totenzehrung. Geselliger Umtrunk nach der Chorprobe oder Stärkung nach der gemeinsamen Ausfahrt. Am Wirtshaustisch kommen wir zusammen. Wir teilen Emotionen, tauschen Erfahrungen und streiten manchmal nach Herzenslust. Die Gaststube ist Kommunikationsdrehscheibe und Ort psychosozialer Hygiene.

Folgen wir hier einer romantischen Vorstellung? Oder erwächst gerade daraus dem Wirtshaus besondere Relevanz? Wie sieht er aus, der Stammtisch von morgen?

Diskussionsteilnehmer/innen:

  • Elisabeth Egle (Herausgeberin Wirtshausführer)
  • Günter Maurer (Maurerwirt, Kirschlag b. Linz / Projekte „Dorfwirtshaus“, „Wirtshaus macht Schule“, KultiWirt der ersten Stunde)
  • Thomas Mayr-Stockinger (Gasthof Hotel Stockinger, Ansfelden / Gastronom & Wirtesprecher)
  • Marie Rahofer (Gasthof Rahofer, Kronstorf / Junggastronomin)
  • Manuela Reichert (Kulturmanagerin / Projekt „Wirtshauslabor“ im Rahmen der Kulturhauptstadt Bad Ischl-SKG 2024)

Fazit Diskussionsrunde "Wirtshaus- und Stammtischkultur: Wunsch oder Wirklichkeit?"

Am Wirtshaustisch kommen wir zusammen, teilen Emotionen, tauschen Erfahrungen und Meinungen aus und diskutieren nach Herzenslust. Die Gaststube als Kommunikationsdrehscheibe und Ort psychosozialer Hygiene: eine romantische Vorstellung? Oder erhält das Gasthaus vor allem daraus besondere Relevanz? Wirtesprecher Thomas Stockinger beantwortet dies mit einem klaren Ja, wenngleich er aus Erfahrung weiß, dass der Stammtisch sich verändert. Von der Kommunikations- und Informationsplattform der Dorf-Granden hat er sich vielfach zu einem Treff Gleichgesinnter entwickelt. Jäger, Sportler, Trachtengruppen, Damenrunden und andere setzen sich regelmäßig zu Speis und Trank zusammen. Obwohl bereits meist digital organisiert, sind die Begegnung und das Miteinander weiterhin real.

Dass dies auch in Zukunft in den Wirtshäusern geschieht, liegt auch am Wirt, spricht der Kirchschlager KultiWirt Günther Maurer die Kreativität der Gastronomen an. Der Weg zur Differenzierung durch Positionierung kann auch über die Kulinarik führen, weiß Maurer aus seinem Projekt „Dorfwirte mit Zukunft“, mit dem er auch als Coach für Branchenkollegen auftritt. Auf diese Weise ist es möglich, beim Gast auch das erforderliche Qualitäts- und Preisbewusstsein zu verankern.

Um den Spagat zwischen einem Urgestein der Wirtshausszene und einer Zukunftswerkstätte heimischer Küche bemüht sich Marie Rahofer. Gemeinsam mit Carina Kaiser und Florian Gintenreiter will sie den von den Eltern übernommenen Betrieb in Kronstorf als zeitgemäßes, nachhaltig geführtes Lokal betreiben. „Wir wollen ein geiles Wirtshaus sein, in dem man super, aber nicht zu teuer essen kann“, sieht die Junggastronomin ihren Betrieb als Ort des Austausches und sozialen Treffpunkt für neue, wie auch für Stammgäste.

Elisabeth Egle, Mitherausgeberin von „Wirtshausführer Österreich“ betont, dass Wirtshäuser sich an den Bedürfnissen der Gäste orientieren müssen: „Das schönste Wirtshaus hilft nichts, wenn im Ort nicht das Bewusstsein da ist: Ich will ein Wirtshaus und trage auch mein Geld dorthin“.

Dem pflichtet Manuela Reichert, Geschäftsführerin der Kulturhauptstadt Europas 2024 Bad Ischl – Salzkammergut, bei und will dieses wertvolle Gut mit dem Kulturhauptstadtprojekt „Wirtshauslabor“ für die Zukunft sichern: „Das Wirtshaus und der Stammtisch waren schon immer Orte der Begegnung und wichtige Bestandteile eines funktionierenden sozialen Gefüges.“

© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH./Robert Maybach: Tradition in Oberösterreich
Langhaarige Dame in einem Dirndl und mit Sonnenbrille vor einem See im Salzkammergut in Oberösterreich

Diskussionsrunde „(Kultur-)Genuss – braucht Zukunft Herkunft?“

Die Wurzeln kennen, wenn wir mutig neue Ideen verfolgen. Die Brücke zur Innovation ist im Boden des Wissens von Generationen verankert. Alte Rezepte und Herstellungsverfahren, überlieferte Designs und Kulturtechniken sind unser Rüstzeug auf dem Weg zu neuen Ufern. In der Küche, am Tisch, im Konzerthaus oder im Atelier. Stehen Generationen und Traditionen am Übergang, können Funken sprühen. Wenn der richtige zündet, entfacht er neues Feuer.

Wie viel Reibung braucht und trägt der Wandel? Wie geben wir Wissen und Erfahrung sinnstiftend weiter?

Diskussionsteilnehmer/innen:

  • Barbara Ambrosz (Industriedesignerin und Teil des Kollektivs Lucy.D)
  • Elisabeth Fuchs (Gebürtige Oberösterreicherin, Gründerin & Chefdirigentin der Philharmonie Salzburg)
  • Barbara Wallisch (Fruchtveredelung Geschwister Wurm)
  • Philipp Zauner (k.u.k. Hofzuckerbäcker in 7. Generation aus Bad Ischl)
  • Alfred Atteneder (Obmann Verein Färbermuseum Gutau)

Fazit Diskussionsrunde "(Kultur-)Genuss: Braucht Zukunft Herkunft?"

Neue Ideen verfolgen, nicht ohne unsere Wurzeln zu kennen: Das war Thema bei der (Kultur-)Genuss-Session. Über alte Rezepte und Herstellungsverfahren, überlieferte Designs und Kulturtechniken als Voraussetzung auf dem Weg zu neuen Generationen in der Küche, auf dem Tisch, im Konzerthaus oder Atelier diskutierte etwa Philip Zauner, Geschäftsführer Konditorei-Kaffee Zauner Bad Ischl. Er hat das Traditionsunternehmen im Herbst 2020 in siebter Generation übernommen und weiß daher zu gut, wie schmal der Grat ist zwischen der Treue zur traditionsreichen Linie der Vergangenheit und der Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem.

Mag. Barbara Wallisch, die gemeinsam mit ihrer Schwester das Gustergut bei St. Florian leitet und sich der Fruchtveredelung widmet, sieht „Herkunft und Tradition nicht gleich rückwärtsgewandt“ und befindet die Geschichten von Betrieben und ihren Menschen wert, sie „richtig zu erzählen, weil Tourismus mehr denn je Authentizität und Herkunft braucht“.

Designerin Barbara Ambrosz, Gründerin und Teil des Kollektivs LUCY.D für Möbel-, Produkt- und Interiordesign, „will immer verstehen, woher Dinge kommen. Wir brauchen Rituale in einem zeitgemäßen Mindset. Dafür heißt es, die Augen aufzumachen, Dinge loszulassen, Neues auszuprobieren.“

Elisabeth Fuchs, Gründerin und Chefdirigentin der Philharmonie Salzburg, hat auch aufgrund ihrer laufenden Arbeit mit jungen Menschen aus aller Welt einen wertvollen Blick von außen auf ihr Heimatland Oberösterreich entwickelt. In der Runde hob sie hervor, dass „Tradition cool und kultig sein soll, indem man Bindungen schafft“. Gelebtes Brauchtum entdeckt sie in der Volkskultur etwa bei der Blasmusik mit dem Spannungsbogen zwischen Tradition und Innovation.

Alfred Atteneder, Konsulent für allgemeine Kulturpflege des Landes Oberösterreich und Obmann des Färbermuseums Gutau sowie der Mühlviertler Museumsstraße, forderte „stets auf Geschichte und Vergangenheit aufzubauen und mit Innovationen in die Zukunft zu gehen, weil nur so das Gesamterlebnis authentisch und glaubhaft ist.“ Es gelte regionale Traditionen als Alleinstellungsmerkmale zu nutzen.

© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH/Stefan Mayerhofer: Kultur des langsamen Reisens
Eine Frau steht im Wald und genießt dort die Stimmung, das Licht, den Duft.

Diskussionsrunde "Kultur des langsamen Reisens auf der Überholspur?"

Die Sehnsucht nach Sicherheit und Vertrauen ist plötzlich größer geworden als der Wunsch, in die Ferne zu reisen. Mehr Zeit zum Entdecken und Erkunden. Die Natur nah und ursprünglich genießen, die lokale Kultur authentisch erleben, regional konsumieren, länger bleiben und echte Begegnungen erleben. Plötzlich eröffnen sich neue Chancen. Räume für neue Angebote und Dienstleistungen. Potenziale für mehr Qualität und Wertschöpfung.

Wo geht diese Reise hin?

Diskussionsteilnehmer/innen:

  • Philipp Braun (Weinsommelier und freier Kulinarik- & Reisejournalist aus Linz, Slow Food- Oberösterreich)
  • Norbert Eder (Pankrazhofer, Tragwein / Mostsommelier und Bio-Produzent)
  • Sonja Miko (Chefin von Indigourlaub und Expertin in Sachen internationale Yogareisen)
  • Johannes Neuhofer (Dermatologe aus Naarn, Buchautor und Initiator des Johannesweg im Mühlviertel)
  • Ursula Riegler (Beraterin, Strategin und Expertin mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung in der internationalen FMCG-Branche)

Fazit Diskussionsrunde "Kultur des langsamen Reisens auf der Überholspur?"

Speziell nach mehr als einem Jahr der Pandemie ist die Sehnsucht nach Sicherheit und Vertrauen größer als der Wunsch, in die Ferne zu reisen. Die Menschen wollen sich nun mehr Zeit fürs Entdecken und Erkunden nehmen, Natur nahe und ursprünglich erleben, lokale Kultur authentisch erleben, regional konsumieren und länger bleiben. Auch sei Nachhaltigkeit keine Frage des ob, sondern des wie und wann. „Es geht darum, dass im ersten Schritt die Grundsätze geschaffen werden,“ sagte Mag. Ursula Riegler, Beraterin, Strategin und Expertin.

Es brauche Kooperationen, zwischen den Betrieben und branchenübergreifendes Handeln, regionale Aktivitäten, Netzwerke und eine Betonung der Wichtigkeit des Faktor Mensch. „Es braucht auf jeden Fall eine Strategie, um auf die unausweichlichen Veränderungen der nächsten Jahrzehnte eingehen zu können. Zum einen notwendig, um auf Zielgruppenwünsche einzugehen und wettbewerbsfähig zu bleiben und zum anderen um die negativen Entwicklungen unseres Lebensstils der vergangenen Jahrzehnte umzukehren.“ forderte Norbert Eder, Bio-Bauer, Bio-Produzent und Most-Sommelier. Norbert Eder will genau diese Verträglichkeit auf seinem Pankrazhofer Vierkanter in Tragwein den Gästen weitergeben. Denn „es ist alles andere als egal, wie und wo Produkte hergestellt werden“, sagte Eder.

Wohin diese Reise gehen kann, zeigte auch Philipp Braun, Weinsommelier, freier Kulinarik- und Reisejournalist und Obmann von Slow Food Oberösterreich auf: „Genuss hat eine Schwester: die Verantwortung, und zwar mit jedem Bissen“, befand er. „Wir können uns dann weiterentwickeln, wenn wir eine auf Frische und Wohlgeschmack, eine auf Tradition und Weltoffenheit, vor allem aber eine auf ökologische Verträglichkeit bedachte Küche auf ein erquickliches Niveau heben. Das muss nicht hochtrabend sein. Ein Brot, ein Stückerl Kas und eine Gurke reichen völlig.“

Aus Veranstaltersicht betrachtete Sonja Miko die Fragestellung. Die Chefin von Indigourlaub und Expertin für internationale Yogareisen spricht eine wachsende Gästeschar an: „Wir sehnen uns alle nach echter Empathie, nach authentischen Urlaubserlebnissen, die die Seele berühren, und nach einem Ausgleich zum schnelllebigen Alltag.“

Wer auf dem Johannesweg im Mühlviertel wandert, vollzieht diese Erlebnisse auf Schritt und Tritt. Damit könne man laut Initiator des Weges, Buchautor und Hautarzt OMR Dr. Johannes Neuhofer, zugleich rechtzeitig mit der Prävention beginnen, denn „Gesundheit sollte der Antrieb dafür sein, sie zu erhalten“.

Mag. Ursula Riegler, Beraterin, Strategin und Expertin sieht den „Wunsch nach Langsamkeit, Authentizität, Vertrautheit und Sicherheit im Tourismus wie bei Lebensmitteln“ ebenfalls schon seit Jahren deutlich stärker werden, die Pandemie „hat diesen Wunsch exponentiell steigen lassen“.