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WARUM muss man 2024 unbedingt ins Brucknerhaus kommen, Herr Kerschbaum?

Im Super-Kulturjahr 2024 feiern wir nicht nur den 200. Geburtstag Anton Bruckners. Auch das Brucknerhaus Linz, das nach dem Jubilar benannte Konzerthaus am Ufer der Donau, begeht den 50. Jahrestag seiner Eröffnung.

Wir haben Dietmar Kerschbaum, den Intendanten und künstlerischen Vorstand der LIVA, gefragt, was das Besondere an einem Konzertabend im Brucknerhaus ist und wie sich das Haus für das Bruckner-Jahr und den eigenen runden Geburtstag positioniert.

 

Herr Kerschbaum, was unterscheidet einen Konzertbesuch im Brucknerhaus Linz von dem in anderen Konzerthäusern? Oder anders gefragt: Warum sollte ich, wenn ich in Linz auf Urlaub bin, unbedingt eine Veranstaltung im Brucknerhaus besuchen?

Weil Sie im Brucknerhaus Linz Veranstaltungen erleben können, denen sie sonst nirgendwo begegnen. Und weil ein Besuch im Brucknerhaus „ein Erlebnis von berauschender Schönheit“ ist, wie Herbert von Karajan das so treffend formuliert hat, der vor 50 Jahren als Dirigent der Wiener Philharmoniker das Brucknerhaus eröffnete und der schlichtweg überwältigt war von der zeitlos edlen Architektur des Hauses, vor allem aber von der exzellenten Akustik. Einzigartig ist, was im Bruckner-Jahr 2024 zu Ehren des bedeutenden Sinfonikers geschieht. Immer wieder werden einzelne seiner Sinfonien auf Instrumenten aus Bruckners Lebenszeit aufgeführt. Wir aber haben die besten Originalklangorchester Europas eingeladen, alle elf Sinfonien als Zyklus aufzuführen, was es weltweit bisher so noch nie gegeben hat und auch im Bruckner-Jahr so nur in Linz zu erleben sein wird. Das Brucknerhaus ist ein Haus mit einem Alleinstellungsmerkmal!

 

Das Brucknerhaus ist seit 50 Jahren ein Fixstern am Kulturhimmel Oberösterreichs. Wie positioniert sich ein erfolgreiches Konzerthaus in Linz genau zwischen den Musikhochburgen Salzburg und Wien?

Indem es ein unverwechselbares Programm anbietet, das man so weder in Wien noch in Salzburg hören kann. Und indem es ein markantes Profil entwickelt. Im Falle des Brucknerhauses ist dieses durch drei Säulen garantiert: Wir holen internationale Topstars aus Klassik und Jazz nach Linz, bieten regionalen Kräften eine künstlerische Heimat und sorgen dafür, dass junge Talente eine Chance bekommen – all das bei höchster künstlerischer Qualität, wie sich von selbst versteht.

 

Mit dem 40 Jahre alten Posthof feiert auch ein zweites Veranstaltungshaus der LIVA ein rundes Jubiläum. Wie bringt man zwei so unterschiedlich ausgerichtete Häuser wie Brucknerhaus und Posthof unter einen Hut, sodass sich beide bestmöglich ergänzen?

Brucknerhaus und Posthof ergänzen sich. Klassik, Jazz und Weltmusik gibt es im Brucknerhaus zu hören, Rock, Pop, Indie Musik, Theater, Kabarett, Tanz und Literatur sind im Posthof beheimatet. Die beiden Häuser verstehen sich als Mitglieder der LIVA-Familie, zu der auch das Kinderkulturzentrum Kuddelmuddel sowie LIVA Sport gehören. Jedes dieser Häuser bringt seine individuellen Stärken ein, wodurch Synergien entstehen, zum Wohle der Linzer Bevölkerung und der Menschen in Oberösterreich, ja sogar noch weit darüber hinaus.

Das Super-Kulturjahr steht jetzt unmittelbar vor dem Start. Welche Programmhighlights würden Sie Kulturreisenden, die in Oberösterreich Station machen, empfehlen?

Wer klassische Musik liebt, sollte sich das Internationale Brucknerfest im kommenden Herbst von 4. September bis 11. Oktober rot im Kalender anstreichen. Auf den Originalklangzyklus aller Bruckner-Sinfonien habe ich schon hingewiesen. Ich freue mich aber auch, dass die Wiener Philharmoniker unter Christian Thielemann zu Gast sein werden, dass die drei großen Messen Bruckners samt seinem Te Deum auf dem Programm stehen und dass an zwei Abenden alle Sakralwerke Bruckners, die ohne Orchester auskommen, im Alten Dom erklingen werden. Ein Höhepunkt wird darüber hinaus das Open-Air-Konzert des Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst sein. Genau zum 200. Geburtstag am 4. September wird in Bruckners Geburtsort Ansfelden seine 4. Sinfonie erklingen, wobei via TV, Livestream und Public Viewing die ganze Welt daran teilhaben kann.

 

Welche Rolle sehen Sie speziell für das Brucknerhaus im Super-Kulturjahr 2024?

Das Bruckner-Jubiläumsjahr 2024 fällt mit dem 50. Geburtstag des Brucknerhauses zusammen. Das ist kein Zufall: Als man 1974 den 150. Geburtstag Bruckners feierte, zu einer Zeit also, in der der Begriff „Nachhaltigkeit“ noch nicht in aller Munde war, machte die Stadt Linz dem Jubilar ein besonders nachhaltiges Geschenk. Sie errichtete ihm zu Ehren das Brucknerhaus. Natürlich werden wir diesen runden Geburtstag groß feiern: mit einer Ausstellung, einer Festschrift, vor allem aber mit zwei großen Konzerten. In dem einen am 22. März 2024 spielt das Bruckner Orchester Linz unter Markus Poschner Werke mit Bezug zu Linz wie Beethovens 8. Sinfonie und die 1. Sinfonie von Bruckner in der „Linzer Fassung“. Am eigentlichen Geburtstag, einen Tag später stellen sich die Wiener Philharmoniker als Gratulanten ein, die einst das Eröffnungskonzert bestritten haben. Wieder steht, so wie damals, Bruckners 7. Sinfonie auf dem Programm, Dirigent ist diesmal der wunderbare Zubin Mehta.

 

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Wenn in zehn Jahren das Brucknerhaus seinen 60. Geburtstag feiert. Welchen Beitrag wird es dann zum Konzert der Kulturhäuser in Oberösterreich und darüber hinaus leisten?

Ich betrachte es als meine Aufgabe, das Brucknerhaus für die Herausforderungen der Zukunft gut zu rüsten. Wir stellen derzeit die Weichen, um die hohe Qualität der Veranstaltungen zu wahren, ihnen da und dort vielleicht eine zeitgemäße Form zu geben und neues Publikum zu erschließen. Ob uns das gelingen wird, müssen die Menschen beim 60-Jahr-Jubiläum beurteilen.