Virtuelle Welten – reale Gäste
Macht eTourismus künftig das Reisen überflüssig? Dieser Frage widmete sich das Oberösterreich Forum Tourismus und Freizeit unter dem Titel „Virtuelle Welten – reale Gäste", das von OÖ. Tourismus und Johannes Kepler Universität am 9. Oktober in Linz veranstaltet wurde. Rund 150 am Thema Internet und Online-Marketing interessierte Touristiker und Studierende aus ganz Österreich nutzten die Gelegenheit zum Informationsaustausch. Mit ihren Vorträgen lieferten Experten aus IT und eCommerce, wie Alois Ferscha (Institut für Pervasive Computing, Uni Linz), Gerfried Stocker (Ars Electronica Center, Linz) und Hannes Werthner (TU Wien) wertvolle Impulse für die Teilnehmer.
„Das Internet ist mittlerweile für viele Menschen erste Informationsquelle bei der Urlaubs- und Freizeitplanung. Für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft bedeutet das ein breites Betätigungsfeld, um Gäste gezielt anzusprechen.“ sagt Mag. Karl Pramendorfer, Vorstand des OÖ. Tourismus. Steigende Zugriffszahlen und Zuwächse bei den online-Buchungsumsätzen für die Tourismusbetriebe zeigen das enorme Potenzial. „Dieses gilt es zu nutzen. Ziel der Veranstaltung war es, aktuelle Entwicklungen und Trends aufzuzeigen und den Touristikern auch Handlungsperspektiven für die Zukunft zu geben,“ ergänzt Pramendorfer.
Wieviel Technologie erträgt der Mensch
Mit seinem spannenden Vortrag über „Wearable IT im Tourismus – wieviel Technologie erträgt der Mensch“ begeisterte Univ. Prof. Dr. Alois Ferscha die Teilnehmer. „Die vielen digitalen Einzelgeräte, die uns in Gebrauchsgegenständen tagtäglich umgeben, sind nur dann gut und brauchbar, wenn wir sie nicht mehr wahrnehmen. Wenn sie quasi im Hintergrund – außerhalb der Aufmerksamkeitsgrenze – funktionieren und unseren Alltag erleichtern.“ meinte Ferscha. Als praktisches Beispiel präsentierte er den Prototypen eines besonderen „Dienstleisters“: SPECTACLES - ein multisensorisches, drahtlos internetverbundenes Mixed Reality-Sonnenbrillensystem. Eine Sonnenbrille also, die eine Vielzahl technologischer Anwendungen integriert und damit etwa dem Mountainbiker GPS-Daten, Höhenprofile, Herzfrequenz oder den Routenverlauf liefern kann oder dem Städtetouristen Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Bauwerken, Stadtplan oder Routenverlauf beschreibt - und dabei gleichzeitig ihre ursprüngliche Aufgabe des Sonnenschutzes erfüllt.
Faszination Emotion & virtuelle Welt
Gerfried Stocker wiederum beschrieb in seinem spannenden Vortag „Faszination Emotion & virtuelle Welt“ die Bedeutung und enorme Wichtigkeit von Bildern, die Geschichten im Kopf entstehen lassen. „Dieses virtuelle Reisen ist ein erster Kontakt, den potenzielle Gäste mit einer Urlaubsdestination herstellen. Zu einem Gesamterlebnis gehören aber auch die sensorischen Empfindungen im Menschen, die nur durch das wirkliche Reisen mit allen Sinnen spürbar werden.“ meint Stocker. Die Gefahr, dass die neuen digitalen Darstellungsmöglichkeiten vom Internet bis hin zu High End Projektionsräumen (wie z.B. dem Deep Space im neuen AEC) also tatsächlich die Lust und die Sehnsucht am Reisen verringern oder gar ablösen könnten ist nach Ansicht von Stocker nur sehr gering. „Die Faszination einen anderen Ort zu erleben oder ein weltbekanntes Kulturdenkmal selbst zu sehen wird ungebrochen bleiben. Ganz im Gegenteil, die Möglichkeit sich umfangreich und im Detail über Attraktionen bereits über das Netz ein Bild machen zu können wird die Lust daran eher steigern. Was sich ändert ist, dass man es mit informierten, vorbereiteten und damit anspruchsvolleren Reisenden zu tun haben wird. Darauf nicht nur richtig reagieren zu können, sondern es als Wettbewerbsvorteil zu nutzen ist die große Herausforderung." sagt Stocker.
www und Tourismus - Trends und Herausforderungen
Univ. Prof. DI Dr. Hannes Werthner spannte in seinem Vortrag den Bogen von der derzeitigen Situation im „www und Tourismus“ bis hin zu den damit verbundenen Trends und Herausforderungen. Vor allem die Herausforderungen seien nicht zu unterschätzen „wenn man bedenkt, dass die Tourismusindustrie weltweit die drittgrößte Exportindustrie ist und man berücksichtigt, dass 80 % der Reisenden bereits online sind,“ so Werthner. Das Internet bedeutet einerseits Vereinfachung andererseits aber auch steigende Komplexität, etwa bei Strukturen, Prozessen, Technologien. eCommerce sei deshalb eine strategische Frage und Aufgabe touristischer Unternehmen. „Das gezielte Eingehen auf die Nutzer und deren Integration (zum Beispiel im Web 2.0) sind dabei ebenso von Notwendigkeit, wie deren (auch emotionale) Unterstützung in der Urlaubsentscheidung. Andererseits bedarf es auch auf Anbieterseite einer noch viel klareren, strategischen Positionierung (Services, Preise, Marketing), neuer Services(designs) und neuer Kooperationsformen.“ fasst Werthner zusammen.










Urlaub in Oberösterreich